Waagen Storys 


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Mettler

Dr. h.c. Erhard Mettler

Waagenpionier

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Erhard Mettler

Geb. 20.4.1917 in St. Gallen,
gest. 25.8.2000 in Zürich. Lehre als Feinmechaniker bei der Firma Wild
in Heerbrugg. Erhard Mettler erfand das Substitutionsprinzip und entwickelte eine einschalige Waage mit Messungen auf ein Zehnmillion-stel Gramm genau. Um sein Produkt zu vermarkten, gründete er 1945 eine eigene Firma, aus der später
das multinationale Unternehmen Mettler-Toledo entstand. 1973 gelang der Firma die Konstruktion der weltweit ersten elektronischen Präzisionswaage. Erhard Mettler leitete bis 1980 das Familienunter-nehmen, danach verkaufte er alle Aktien an die Ciba-Geigy und zog
​​​​​​​sich aus dem Geschäftsleben zurück. 1968 zeichnete die ETH Zürich Erhard Mettler mit der Ehrendoktor-würde aus.

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A Fishermans Yarn. Mettler laboratory balances 60 years ago.Short video about Mettler company filmed about sixty years ago. Features first generation of Mettler Laboratory Balances, Erhard Mettler, designers and egineers of the Company.

https://youtu.be/p2-Mdqt22DM


1945
​​​​​​​Gründungsort: Küsnacht ZH

Von der kleinen Werkstatt
​​​​​​​zum Weltkonzern

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Bei Jelmoli in Zürich wird
für 3.33 Fr. ein dickes Eintragebuch gekauft.
Auf dem Bucheinband ist auf der Etikette mit Handschrift zu lesen: «Zeichnungs-No.,
         Erh. Mettler, 
         Präz. Apparate,
         Küsnacht Zch.»
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Gründung der Firma METTLER

Am 1. November 1945 erfolgte mit der Einrichtung einer Werkstätte in Küsnacht
die eigentliche Gründung der Firma. Die Eintragung ins Handelregister geschah
am 27. Februar 1946.


Örtlichkeiten

Bei ihrer Gründung befanden sich die Fabrikationsanlagen in Küsnacht in verschiedenen, für eine Präzisionsfabrikation teilweise recht ungeeigneten Gebäulichkeiten. Zuerst wurde die Werkstatt in der Scheune der Baufirma Polla eingerichtet, wo auch ein kleiner Büroraum installiert wurde. Die Grundfläche
​​​​​​​betrug rund 90 m2. Später wurde ein Anbau an ein Wohnhaus als Wägeraum
und Fertiglager beansprucht. Beides lag an der Unteren Heslibachstrasse 45.
​​​​​​​Durch Ausnützung eines Garageraumes im gleichen Hause wurde der Wägeraum später vergrössert. Durch die stetig steigenden Fabrikationsanforderungen wurden im Verlaufe der nächsten Jahre weitere, zum Teil recht erhebliche weitauseinander-liegende Räume mietweise übernommen. So wurden am Hornweg 1 in einem alten Wohnhaus Bureau und Justierung mit Fertiglager eingerichtet, unter Beibehaltung der Räume an der Heslibachstrasse 45.

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Erste Werkstatt im hinten Teil des Hauses an der Unteren Heslibachstrasse 45 in Küsnacht ZH

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1946
​​​​​​​Neue Ideen entstehen

Das Entwicklungsjahr

Eine Idee bewährt sich in der Praxis – Substitution

Eine Waage, wie sie im Museum heute noch zu bestaunen ist, besteht grundsätzlich aus einem Balken und zwei Waagschalen. Legt man auf die eine Waagschale ein unbekanntes Wägegut, werden auf die andere Waagschale bekannte Gewichte aufaddiert bis die Waage im Gleichgewicht ist. Die Summe der aufgelegten, bekannten Gewichte entspricht dann dem unbekannten Wägegut. Der ganze Aufbau hat aber einen Schönheitsfehler: Je schwerer das Wägegut und die Gewichte, desto mehr verbiegt sich der Balken an dem die Waagschalen befestigt sind. Ist der Balken nicht symmetrisch angelegt, sind Messfehler nicht mehr zu vernachlässigen. Erhard Mettler hat mit seiner Substitutionswaage die Belastung des Balkens konstant gehalten, indem er das unbekannte Wägegut mit einem Satz Schaltgewichte ergänzt hat. Anstelle der zweiten Waagschale wird die zulässige Höchstlast direkt am Hebel befestigt. Das unbekannte Wägegut wird jetzt durch Schaltgewichte bis auf die Höchstlast ergänzt bis die Waage im Gleichgewicht ist. Die Höchstlast abzüglich der Schaltgewichte ergibt dann das Gewicht des unbekannten Wägeguts. Auf beiden Seiten des Balkens ist immer dieselbe Masse im Einsatz, die Belastung des Balkens daher konstant. Aus praktischen und ergonomischen Gründen wurde die Höchstlast direkt am Balken, auch Hebel genannt, befestigt. Damit das Gewicht nicht beliebig gross wurde, war diese Seite des Hebels erheblich länger. Die kürzere Seite des Hebels wurde mit der Waagschale verkoppelt und diese wiederum mit einer Auflage für die Schaltgewichte ergänzt. Damit der bewegliche Balken mit minimaler Reibung funktionierte, waren Saphirlager Schneiden und Pfannen im Einsatz. Die Ablesung erfolgte optisch mittels Projektion eines Glas-Massstabs auf eine Mattscheibe.

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Links: Konventionelle Zweischalenwaage
Rechts: Substitutionswaage nach E. Mettler
Grafik: Pierre Aerni
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Zwei der ersten Skizzen über die schematischen Darstellung einer Substitutionswaage mit einem Gegengewicht, das fest mit dem Waagbalken verbunden ist und
 den verschiedenen Gewichten

zum Abheben. (Mettler Toledo Archiv)
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1947

Die ersten zwei Waagen werden verschenkt

Fabrikationsnummer 1

Mettler 200 A 4 N



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Im Buch «Waagen – Kontrolle» wurden die ersten 1504 gebauten Waagen erfasst mit Fabrikations-nummer, Type, Empfänger, Ort, Faktura Nr. und Datum sowie eine Spalte für Bemerkungen.

Bild rechts:
​​​​​​​Die erste Waage, eine 200 A 4 N, mit der Fabrikationsnummer 1, erhielt Dr. Heusser von der
ETH Zürich. Unter der Rubrik «Bemerkungen» steht:
​​​​​​​Gratis zur Verfügung gestellt!

Die zweite Waage, ebenfalls eine 200 A 4 N, mit der Fabrikationsnummer 2, schenkte Erhard Mettler dem Erziehungsheim Glarisegg in Steckborn.

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Aus dem Waagen-Kontrollbuch:  Die wichtigsten Lieferungen​​​​​​​

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1948
Mettler Verkaufsbureau Zürich, Pelikanstr. 19

​​​​​​​Die ersten Exporte​​​​​​​

Parallel zur erfreulichen Absatzentwicklung stellte sich auch die Forderung nach der Schaffung einer zentralen Stelle, durch die alle verkaufstechnischen Fragen organisiert und gelöst werden müssen. Im Jahre 1948 wurde an der Dufourstrasse 107 in Zürich, also losgelöst vom eigentlichen Fabrikationsbetrieb, ein Verkaufsbureau eröffnet, in dem vorerst eine einzige Person beschäftigt wurde. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich im Verlaufe weniger Jahre unser heute (1955) an der Pelikanstrasse 19 in modernen Räumen untergebrachtes Verkaufsbureau mit einer Belegschaft von 6 Personen. 
Dieses Bureau organisierte in den letzten Jahren über 50 Vertretungen in allen wichtigen Absatzgebieten der Erde. Durch Vermittlung dieser Verkaufsabteilungen und deren Vertreter gehen heute unsere Produkte in wichtigste Inlandindustrien und wissenschaftliche Bildungsstätten von Weltruf. 
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Die ersten Auslieferungsorte in der Schweiz
1947, 1948 und 1949

​​​​​​​Die Mettler-Waagen sind jetzt in rund 75 Ländern der Erde
 zum Begriff schweizerischer Präzisionsarbeit geworden.
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1952
Mettler Verkaufsbureau Zürich, Pelikanstr. 19

​​​​​​​M5 Microbalance​​​​​​​

Takes the Heat out of Weighing

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With 20 g capacity, a large optical range, and a protection shield to avoid the influence of body heat,
this successful balance was produced for 30 years. The M5 was the first microbalance to utilize the
substitution principle. The large optical range enabled  differential weighing operations to be carried out
without needing to use the balance’s internal weight  system. Hence, one of the largest sources of error,
namely the calibration error of the small weights,  was completely eliminated.

Anwendungsgebiete:
Mikroanalyse, Einwägungen und Differenzwägungen unter Verwendung grösserer Tara wie
Absorptionsröhrchen usw. Gewichtsbestimmungen bis 20 g mit höchster Genauigkeit in Physik, Biologie
und Technologie. M5 SA mit ausschwenkbarer Schale zur Beschickung ausserhalb der Waage.
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M5
Wägebereich
20 g

Optischer Bereich: 20 mg

Reproduzierbarkeit:  ± 0,001 mg